Du bist wichtig - kümmere Dich um Dich!

Selbstfürsorge ist ein immer wiederkehrendes Thema in der Psychotherapie. Ein Evergreen sozusagen. Wenn wir uns wichtig nehmen fängt Selbstfürsorge im Kleinen an. Dieser Beitrag entstand im Rahmen der Blogparade „Was ist Selfcare für dich?“ von Rani Grindl.

Du bist wichtig - kümmere Dich um Dich!
Photo by Eleonora Catalano / Unsplash

Selbstliebe
Du bist wichtig
Kümmere Dich um Dich
Ungewohnt – für mich – nicht für andere
Du bist wichtig
Ein Spaziergang ohne Handy, ohne Absicht
Wunderbar, glitzernder Schnee
Du bist wichtig
Kümmere Dich um Dich
(J.Dillmann 2026)

Die Selbstfürsorge ist ein immer wiederkehrendes Thema in der Psychotherapie. Wenn ich einen Patienten neu kennenlerne frage ich neben dem was schwierig ist auch ab, was gut läuft. Das ist oft schon schwierig. Wenn ich dann noch frage "Was tun Sie für sich einfach weil sie Lust darauf haben und es Ihnen gut tut?" schaue ich oft in ratlose Gesichter.

„Dafür habe ich keine Zeit.“ Das ist das häufigste Argument. Hmm, kann sein. Aber wie sieht es aus, wenn zu dem vollen Tag noch eine Pflicht dazu kommt? „Kannst du mal noch schnell in der Apotheke vorbei gehen?“ Ich habe noch niemanden getroffen, der gesagt hat, dies ginge nicht. Also scheint Zeit nicht der Faktor zu sein.

Aber die Annahme, daß etwas für sich zu tun zeitintensiv sei, die steht häufig dahinter. Schwimmen gehen, Yogakurs, mit der Freundin Kaffee trinken, zu den alten Herren vom Sportverein gehen. All das dauert mehr als eine Stunde. „Und genau so viel Zeit habe ich nicht.“

Okay, wieviel Zeit geht denn? Eine häufige Antwort lautet zwischen fünf und fünfzehn Minuten. Prima, das genügt!

Jetzt schaue ich in ein verwundertes Gesicht.

Als nächstes die Frage, was dieses "Etwas für sich tun, was gut tut" denn sein könnte. Da wird es erschreckenderweise häufig stumm. Keine Idee. Also forsche ich zusammen mit meinem Gegenüber. Der Wunsch nach fünf Minuten Ruhe ohne auf irgendetwas zu reagieren steht dann im Raum. Doch wie nehme ich mir fünf Minuten? Hier erkunde ich die Möglichkeiten und den Raum. Ganz wichtig ist, diese fünf Minuten Auszeit in der Familie, beim Partner zu kommunizieren. Und sich wirklich ernst nehmen und die fünf Minuten auch zu nehmen! Jetzt beginnt die Übungsphase.

„Es fiel mir schwer. Ich habe schon die nächsten Schritte geplant oder habe mich mit dem Handy abgelenkt.“ Hat das gut getan? Manchmal, teils, teils. Dann kommen langsam Ideen. Atemübungen, Kreuzworträtzel, Podcast hören, Musik hören, zu einem Lied tanzen, malen, lesen, um den Block gehen.

Schwierig wird es, wenn keine Ideen kommen. Was hat früher gut getan? „Ja, aber das passt doch heute nicht mehr.“

Ausreden finden wir immer.

Der Klassiker ist: „Mir geht es gut, wenn es den anderen gut geht.“ Doch wenn jemand bei mir sitzt, dann geht es demjenigen schon nicht mehr gut. „Wenn Sie weiter für andere da sein wollen, sollten Sie auch für sich sorgen“ ist dann mein Argument.

Dann schauen wir wieder nach dem was gut tun kann.

Es ist ein Prozeß mit Wellenbewegungen.

Ich übe auch gerne in den Sitzungen:

Fenster auf. Bewußte Atemzüge und schauen was vor dem Fenster zu sehen, riechen und hören ist.

Genußübungen – z.B. ein Stück Schokolade langsam auf der Zunge zergehen lassen.

Tee trinken.

Kleine Bewegungsübungen.

Wie gut ich mich versorge gehört auch zur Selbstfürsorge. Trinke ich genug? Esse ich am PC, statt mir eine wirkliche Pause zu nehmen? Mache ich überhaupt Pausen?

Dann die Frage die fast immer kommt: „Und was machen Sie so für sich Frau Doktor?“

Dann erzähle ich von der Fellnase, der Natur, dem Lesen, dem Schreiben, dem Malen, Pocket Yoga, Mikropausen zum Abstand vom PC und von Momenten wo es nicht klappt oder einfach nur Serien schauen dran ist. Wo auch ich vergesse gut auf mich zu achten. Und das Selbstfürsorge sich im Alltag immer wieder anpasst. Was heute funktioniert kann morgen nicht funktionieren.

Langsam entwickeln sich Ideen und manchmal wird sogar das Zeitfenster größer.

Für die meisten meiner Patienten ist der Aha-Moment, daß Selbstfürsorge nicht noch ein weiterer großer zu erledigender Punkt auf der langen Liste des Tages ist, sondern sie im kleinen anfängt und nicht immer viel Zeit braucht. Ein größerer Widerstand entsteht darin, sich ernst zu nehmen und Selbstfürsogre als notwendigen Bestandteil für ein gesundes Leben zu sehen.

Wie gesagt: Wellenbewegungen. Und wir haben ja mehere Stunden Zeit zum dranbleiben und üben!

Dieser Artikel ist auf Anregung von Rani Grindl und ihrer Blogparade „Was ist Selfcare für dich?“ entstanden.