Raus vor die Tür - ein Bild ensteht
Über die Herausforderung mit der Natur zu malen. Ein Mandala ensteht vorwärts und rückwärts.

Ein Naturmandala? Aha – und was soll das sein? Ich kenne Mandalas als Malvorlage die bunt ausgemalt werden. Auch habe ich mal einen Film über die Entstehung eines Sandmandalas von buddhistischen Mönchen gesehen. Auch hier viele Farben. Jetzt ist Februar und alles ist braun, grau. Hmm- am liebsten würde ich jetzt im Internet zu Mandalas recherchieren. Aber dann bin ich wieder zu sehr in meinem Kopf. Heißt also: Einfach mal machen!
Der Beginn – Tag 1
Die einzige Vorgabe außer Naturmaterialien ist, daß ein Mandala immer aus der Mitte heraus entsteht. Und daß sich das Mandala über drei Tage entwickeln soll.
Ich packe meine Fellnase und eine Tasche und ziehe los. Ohne Plan packe ich intuitiv ein was mir vor die Füße fällt und auffällt. Als erstes finde ich eine Feder direkt vor unserer Haustür. Dann folgen Stöcke, Steine, Eicheln, Eichenblätter. Meinem Bedürfnis nach Farbe folgend kommt grünes Moos und rote Hagebutten von der Wildrosenhecke in die Tasche. Dann noch vertrocknete Blütenstände und Rinde. Die Tasche ist ganz schön schwer geworden.
Wo soll das Mandala entstehen? Im Wald ist gerade viel los mit Rehen, Füchsen, Wildschweinen – da wird es schwierig. Außerdem habe ich nicht jeden Tag zusätzliche Zeit erst an den Ort zu gehen. Also kommt es in den Garten auf die Wiese.
Zu Hause packe ich meine Schätze aus. Das Ergebnis ist oben auf dem Bild zu sehen. Ich komme mir vor wie als Kind, als ich stolz gezeigt habe was ich so alles gefunden habe. Schmunzelnd erinnere ich mich, dass meine Eltern nicht immer begeistert waren. Darüber kommen Erinnerungen an die Urlaube an der Nordsee. Auch hier habe ich alles gesammelt, was der Strand so her gab: Muscheln, Seetang, Stöcke, Krebse, Quallen. All das sollte meine Strandburg verschönern. Die Quallen und Krebse musste ich allerdings wieder ins Wasser bringen.
Wie ich so in Gedanken auf alles schaue kommt die erste Idee. Die Feder bildet den Mittelpunkt und wird senkrecht in den Boden gesteckt. Drumherum kommt das grüne Moos und darum ein Ring aus Hagebutten. Vier dickerer Stöcke teilen vier Felder ab.
Spannend, so wird das Mandala dreidimensional. Kommt auf dem Bild nicht so ganz zur Geltung. Und die verschiedenen Oberflächen geben auch noch mal Struktur.
Ich fange an Spaß an dem Projekt zu bekommen.

Die Entwicklung – Tag 2
Immer wieder habe ich aus dem Fenster geschaut und das Mandala betrachtet. Dann kam das Bild meines Buddies die zur gleichen Zeit auch ein Mandala macht. Und ich war neidisch. Ihr Bild war bunt mit Quitte, Schneeglöckchen und Efeu und so filigran! „Na, jetzt hör mal auf zu bewerten.“ Meine Therapeutenstimme! "Jeder hat eine andere Sprache auch Bildsprache und jeder in seiner Natur. Konzentriere dich auf dich. Schau dein Mandala an und dann los.“
Mit diesem Bild in meinem Kopf ging es zur nächsten Gassirunde. Bei uns gibt es jede Menge Eichen also wollte ich die auch auf dem Bild einfügen. So wanderten Eicheln und Eichenblätter in die Tasche. Auch die Verwelkten Blütenstände hatten es mir angetan. Also auch davon noch einige in die Tasche gepackt.
Diesmal stellte ich die Tasche direkt neben das Mandala und schöpfte aus den Vollen. Neben die vier Äste kamen Eichenblätter mit je einer Eichel beschwert. Sowie Reihen von Blütenständen. Das Ende der Äste wurde mit je einem Stein und Feuerdornbeeren gekrönt. Den Abschluss bildeten eine ganze Reihe dünner Äste.
Während ich dick eingepackt so auf der Wiese hockte merkte ich, daß mein sonst so lautes Gehirn ganz leise war. Kein Überlegen was als nächstes zu tun ist, kein Text der spazieren geht, keine Sorgen. Nur ich im Moment und das Mandala.
Den Rest des Tages war erfüllt von anderen Dingen und so war das Bild nur in meinem Hinterkopf. Abends mit dem Hund im Taschenlampenschein fielen mir auf einmal verblühte Gräser auf. Sie wirkten wie Federn. Es war als hätten sie mich gerufen. Im Hellen waren sie mir nicht aufgefallen, aber so angestrahlt wirkten sie fast magisch. Ich musste sie pflücken und ich wollte sofort wissen wie sie im Bild wirkten.
Meine Fellnase fand das alles sehr merkwürdig. Sie wollte mir lieber aus dem warmen zuschauen und setzte sich ans Fenster. Voller Vorfreude lief ich mit der Taschenlampe in den Garten. Die Federgräser legte ich zu dem äußeren Rand des Mandals und es wirkte wie ein Traumfänger.
Mit einem Lächeln beschloss ich den Tag.

Die Vollendung – Tag 3
Ohha, als mein Blick aus dem Fester fiel gab es ein vom Wind verwehtes Bild zu sehen. Im ersten Moment war ich traurig. Doch das ist Natur. Also als erstes raus und das Bild wieder hergestellt.

Ehe ich mich zum Spaziergang aufmachte überlegte ich was ich noch brauchen würde. Durch das zerwühlte Bild hatte ich eine neue Idee. Ich brauchte noch mehr Eicheln und Eichenblätter.
Spannend, wie das vom Wind veränderte Bild mir einen neuen Impuls gab.
Voller Vorfreude bin ich in den Garten gegangen. Es schneite zwischendurch, aber das störte mich nicht. Ich räumte den Rand meines Mandales eine ganze Ecke weiter nach außen. In die vier Felder kamen noch Rindenstücke, Zwischen dem Außenrand und den vier Feldern kamen Kreise aus Eicheln an vier Ecken mit je einem Blütenstand in der Mitte. Die Kreise verband eine Kette aus Eicheln. Jede Eichel hatte eine andere Größe, Farbe, manche keimten schon. Darüber kam ein Reihe Eichenblätter auch hier eine Farbpallette aus Braun-Beigetönen. Den Abschluss bildete wieder die Äste und das Federgras.
Es ist vollbracht – das Mandala ist fertig.
Wieder war ich ganz bei mir. Ich freue mich über das große winterlebendige Bild. Eine besondere Energie. Wow, ich habe es geschafft mich intuitiv darauf einzulassen. Wie schön!

Die Auflösung – Tag 4
Diesmal war das Wetter gnädig und das Bild ist noch genauso da wie gestern. Ich nehme mir Zeit und schaue es ich mir noch eine Weile an. In dem Bewusstsein, dass ich heute, wie die Mönche bei dem Sandmandala, das Bild wieder auflösen werde.
So klar habe ich den Kreislauf des Lebens sonst nicht vor Augen. Im Frühling wird etwas erschaffen, im Sommer blüht es auf und im Herbst vergeht es. Im Winter bleibt das Gerüst stehen (Äste, Blütenstände, Wurzeln) um dann im Frühjahr zu neuem Leben zu werden.
Ich baue jetzt Mandala Rückwärts! Eine Reihe nach der anderen baue ich ab. Halte nach jedem Schritt kurz inne. Alles was nicht aus dem Garten stammt, kommt wieder in die Tasche. Es kommt wieder dahin wo ich es gefunden habe. Voller Dankbarkeit für diese Erfahrung gebe ich der Natur zurück was sie mir für diese Bild geschenkt hat. Auch das erinnert mich wieder an die Sandburgen meiner Kindheit. Die Flut hatte sich am nächsten Tag meistens den Großteil meiner Burg wieder geholt, samt aller Dekoration.
Die Wiese ist wieder so wie vor 4 Tagen. Nur die Feder behalte ich als Erinnerung an diese Erfahrung und weil sie mir direkt vor die Tür gelegt wurde. Naja, vielleicht will ich doch noch nicht ganz loslassen. Aber so fühlt es sich für mich passend an.

Diese vier Tage waren für mich eine besondere Erfahrung. Versuchen Sie sich auch mal an einem Naturmandala. Es funktioniert auch, wenn Sie in ihrem Garten bleiben. Es lohnt sich.
Nach diesem Artikel war ich nun doch Neugierig und habe über Mandalas recherchiert. Besonders die Sandmandalas haben es mir angetan. Hier ein kurzer Auszug:
Sandmandalas sind eine besondere Art von Mandalas im tibetischen Buddhismus, die oft bei Zeremonien und anderen besonderen Anlässen eingesetzt werden. Sie werden von Mönchen in einem langwierigen Prozess von Hand gefertigt, indem farbiger Sand in einem detaillierten Muster auf eine flache Oberfläche gegossen wird.
Die Konstruktion von Sandmandalas ist oft ein ritueller Akt, der mit Gebeten und Gesängen begleitet wird. Sobald das Mandala fertiggestellt ist, wird es zeremoniell zerstört, um die Vergänglichkeit aller Dinge zu symbolisieren. Dies dient als Erinnerung an die Bedeutung von Loslassen und Vergänglichkeit im tibetischen Buddhismus.
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Insgesamt sind Mandalas ein wunderschönes und faszinierendes Symbol, das in vielen verschiedenen Kulturen und Kontexten von Bedeutung ist. Sie dienen als Werkzeug zur spirituellen Entwicklung, Entspannung und Selbstreflexion und können uns helfen, eine tiefere Verbindung mit uns selbst und dem Universum herzustellen.
Wer von Ihnen noch mehr wissen möchte findet den ganzen Text hier: https://mandala-malbuch.de/was-ist-ein-mandala-bedeutung-herkunft-geschichte/
Haben Sie Erfahrungen mit Mandalas gemacht? Ich bin gespannt was Sie zu erzählen haben.