Pause - Überflüssig oder?

Wann ist Pause für mich erlaubt? fragt Christina Reinisch in ihrer Blogparade. Dabei fallen mir viele Dialoge mit Patienten ein. "Für Pausen habe ich keine Zeit." Und wie die Patienten dann doch noch Pause machen.

Pause - Überflüssig oder?

„Pausen kann ich machen, wenn ich in Rente bin!“

„Und bis dahin?“

„Funktioniere ich. Ich habe so viel zu tun. Kinder, Haushalt, Arbeit, Schwiegereltern. Da bin ich froh, wenn ich noch ein wenig Sport machen kann. Das ist mein Luxus. Da habe ich keine Zeit für Pausen.“

„Was machen Sie an Sport?“

„Ich mache Muskeltraining zu Hause.“

„Haben Sie jeden Tag das gleiche Programm?“

„Nein, ich wechsele ab.“

„Spannend. Was passiert, wenn Sie jeden Tag die gleichen Muskeln trainieren würden?“

„Hmm, das weiß ich nicht.“

„Haben Sie Lust, das bis nächste Woche rauszubekommen?“

„Okay.“

Den Rest der Therapiestunde beschäftigen wir uns mit etwas anderen.

Eine Woche später:

„Das war interessant. Wenn ich jeden Tag die gleichen Muskel trainiere, dann habe ich keinen Gewinn. Im Gegenteil, das führt zu zunehmender Ermüdung ohne Wachstum. Das Ergebnis: Übertraining, Leistungsabfall, erhöhtes Verletzungsrisiko.

Das hätte ich nicht gedacht.“

„Also sind beim Training Pausen wichtig für das Wachstum?“

„Ja, so sieht es aus.“

„Könnte das auch für Sie gelten?“

„Sie meinen, ich könnte mehr Energie haben und weniger gehetzt sein, wenn ich Pausen mache?

„Ja, genau das kann sein.“

„Aber Pausen ist für mich rumsitzen ohne Sinn. Dann denke ich was noch alles zu tun ist und werde ganz unruhig.“

„Okay, Pausen sind also sinnloses rumsitzen? Da hätte ich auch keine Lust dran und bringt auch nichts, wenn Sie immer schon gedanklich bei was anderem sind.“

„Wie sollen denn dann Pausen funktionieren? Und wo soll die Zeit dafür her kommen?“

„Haben Sie Lust auf ein kleines Experiment? Ich verspreche Ihnen es kostet Sie nur wenig Zeit.“

Sie wiegt denn Kopf hin und her.

„Ich weiß nicht, ob ich das hin bekomme.“

„Haben Sie trotzdem Lust es zu probieren?“

Sie holt tief Luft.

„Okay, ich habe ja nicht wirklich was zu verlieren.“

„Prima! Sie haben mir doch erzählt, dass Sie gerne Musik mögen oder?“

„Ja, während ich putze oder spüle höre ich Musik.“

„Dann suchen Sie sich bitte für die nächste Woche ein Lieblingslied aus. Doch statt es nebenher laufen zu lassen, machen Sie nichts anderes als das Lied zu hören. Sie können mitsingen, tanzen – aber nichts anders. Können Sie sich das vorstellen?“

Sie lächelt.

„Klar, dass könnte funktionieren. Ich höre schon "Get Lucky" in meinen Ohren.“

„Schön. Und damit es die nächste Woche nicht zu langweilig wird, überlegen wir uns noch eine kleine Übung.“

„Und was?“

„Sie haben doch so eine tolle Espressomaschine oder?“

„Ja, aber ich komme nur selten dazu mir wirklich einen zu machen oder ich trinke ihn rasch, während ich die Pausenbrote für die Kinder mache.“

„Pausenbrote – interessanter Begriff. Für Kinder scheinen Pausen wichtig zu sein.“

Schmunzle ich ein wenig.

„Also, die zweite Aufgabe für die Woche: Sie machen sich einen Espresso und nehmen sich die Zeit zu spüren wie warm die Tasse ist. Wie die Crema aussieht. Wie der Espresso riecht. Sie nehmen den ersten Schluck und schmecken genau hin. Wonach schmeckt er eigentlich?“

„Puh, dass wird eine Herausforderung. Wo ich den Espresso doch einfach nur runterspüle und hoffe, dass er mich wach macht. Aber Sie haben recht, dass nimmt beides nicht viel Zeit in Anspruch.“

„Also, bis zu unserem Termin jeden Tag eine dieser zwei kleinen Pausen. Und wir schauen wie es Ihnen damit geht.“

Eine Woche später:

„Und wie war das mit den Pausen?“

„Schwieriger als ich gedacht habe. Ich habe ganz oft vergessen, was wir gesagt haben, weil ich so im Trott war. Dann habe ich mit den Kindern eine Zettel gemalt. Mit Musik und Kaffee – schön bunt. Und den an den Kühlschrank gehangen. Damit ging es dann besser, weil ich öfters die Erinnerung hatte.“

„Das war eine richtig gute Idee. Und dann?“

„Dann ich was spannendes passiert. Wenn ich mir wirklich die Zeit genommen habe – und Sie hatten recht – es waren immer nur einige Minuten – dann habe ich mich danach besser gefühlt. Es war wie ein tiefes Luftholen. Direkt danach gingen die nächsten Aufgaben leichter. Ich habe gemerkt, dass ich mir vorstellen kann doch Pausen zu machen. Könne wir heute überlegen was noch möglich ist?“

„Gerne.“

Diese Unterhaltung führe ich in Abwandlung ziemlich häufig irgendwann im Laufe einer Therapie. Es ist interessant, wie oft das Gefühl da ist, keine Zeit für Pausen zu haben. Auch ich bin nicht davor gefeit zu denken jetzt nicht, dafür ist später noch Zeit. Dann fasse ich mir an die eigene Nase und mache eine kurze Pause. Wir sind keine Duracell-Hasen die ewig laufen ohne etwas dafür zu tun.

In den Therapiegesprächen ist ein Knackpunkt, dass Pausen nicht bedeutet ich muss mir eine halbe oder Stunde Zeit freischaufeln. Schon kurze Pausen haben einen guten Effekt. Für jeden ist es etwas anderes. Und es macht mir Spass genau das herauszufinden. Und dann den Pausenmuskel immer wieder zu trainieren. Pausen sind leider keine Selbstläufer. Aber je öfter ich trainiere, desto besser werde ich darin.

Diese Unterhaltung ist auf Anregung von Christina Reinisch und ihrer Blogparade "Wann ist Pause für dich erlaubt?" entstanden.

Was sind Ihre Wege zur Pause? Oder sind Pausen in Ihren Augen doch überflüssig?